Nachdem ich in Las Vegas gelandet war, bin ich mit dem Shuttle-Bus zum Autovermieter gefahren und habe da problemlos mein Auto bekommen, einen Hyundai Elantra mit Automatik-Schaltung, was mich den ganz Tag über immer wieder irritiert hat ;-)
An die amerikanischen Strassen-Ausschilderungen muss man sich erst mal gewöhnen. Dass es dunkel war, hat die Sache nicht einfacher gemacht. Gleich zu Anfang habe ich mich gründlich verfahren und bin sonstwo gelandet. Auf Einbahnstrassen. Aber die Hotels vom Strip sind ja weit zu sehen und so habe ich dann doch bald wieder zurück gefunden und bin auf dem richtigen Highway gelandet.
Erst fährt man ewig durch die Ausläufer von Las Vegas, wo alles hell erleuchtet ist. Wenn man die dann irgendwann hinter sich hat wird es endlich dunkel. An einer Tankstelle habe ich mich mit Wasser und Snacks eingedeckt und bin dann vom Highway auf die Strasse ins Valley of Fire abgebogen. Da wurde es dann aber richtig dunkel, denn der Highway hatte reflektierende Markierungen, diese Strasse nicht. Aber da konnte man eh nicht schnell fahren, weil nämlich unendlich viele Hasen (Black-tailed Jackrabbit) aktiv waren und entweder verschreckt vor dem Auto sitzen blieben oder schnell noch über die Strasse huschten. Zwischendrin sausten auch kleinere Pelzkugeln (vermutlich Kangaroo Rats) über die Strasse.
Nach dem Eingang zum State Park hab ich mir ein nettes Plätzchen gesucht und hab mich erst mal auf der Rückbank zum Schlafen hingelegt. Das war erstaunlich bequem, aber leider ziemlich kalt. Draussen hatte es nämlich nur 5 Grad (oder so, 40 Fahrenheit sagte das Auto) und irgendwie habe ich bei der Planung vergessen, wie schnell so ein Auto kalt wird. Ich habe zweimal das Auto zum Heizen angemacht und habe trotz dieser Unterbrechungen gut geschlafen. Leider zu lang, weil ich beim Ermitteln des Sonnenaufgangs in Las Vegas daheim wohl einen Fehler gemacht hatte. So war ich eine Stunde zu spät dran, denn da ging die Sonne gerade auf und ich hatte es ja hell werden sehen wollen.
Egal, im Dunklen hatte ich eh keinen guten Platz gefunden, vor mir war ein Hügel. Ich fuhr hinunter ins Valley, wo haufenweise rote Sandsteinfelsen herum stehen. Ich war noch völlig allein (auch in den diversen Campsites rührte sich noch nichts) und hatte vielleicht deswegen das Glück, auf ein altes zerrupftes Dickhornschaf zu treffen, das mich bis auf wenige Meter an sich heran liess, während es gemütlich einen Busch abzupfte. Näher als 3 Meter habe ich mich dann nicht getraut, das hatte ganz schön grosse Hörner und wer weiss, was es macht, wenn es Angst bekommt.
Mein erster Trail wäre auf einer Strasse verlaufen, da wollte ich nicht laufen, also habe ich die ersten beiden Sehenswürdigkeiten ganz in amerikanischer Tradition mit dem Auto angefahren. Zu den Petrified Logs bin ich gelaufen, aber die sehen (wie nicht anders zu erwarten) recht langweilig aus, deswegen habe ich mir die späteren versteinerten Bäume dann gespart.
Vom Visitor Center aus führt eine kleine Strasse durch ein entzückendes Tal mitten in die roten Felsen des Valley of Fire hinein. In etwa der Mitte gibt es einen kleinen Trail zu ‘Mouses Tank’. Das ist ein rundes Loch mitten in den Sandsteinen, das wohl oft (jetzt auch) mit Wasser gefüllt ist, was mitten in der Wüste natürlich etwas ganz Besonderes ist.
Der Trail ist nichts Besonderes, breit und gut zu gehen, aber die Gegend ist nett mit all den roten Sandsteinfelsen. Ich habe einige Male einen kleinen gestreiften Nager (White-tailed Antelope Ground Squirrel) gesehen, aber niemals geschafft, ein Foto zu machen.
Danach bin ich die Strasse bis zum Ende an den ‘White Domes’ gefahren, wo die roten Felsen plötzlich weiss (naja, hellgelb) werden. Unterwegs gab es ein paar Aussichtspunkte, wo ich natürlich immer angehalten haben und geaussichtet habe. Die Landschaft ist schon ziemlich beeindruckend. Wüstig, sandig, bunt und bizarr geformt.
An den White Domes, die die höchste Erhebung der Gegend sind (man darf aber nicht rauf, wohl weil der Sandstein so fragil ist), gibt es auch einen Trail, den ich natürlich genommen habe. Erst stapft man im weissen Sand ein Stück bergauf, dann geht es durch eine Rinne hinab mitten in die Sandfelsen und dann durch einen engen Spalt wieder hinaus. Der Spalt barg eine Schwierigkeit, er war nämlich teilweise voll Wasser (es muss in den letzten Tagen mal geregnet haben).
Um die erste Pfütze kam ich noch kletternderweise herum (war nicht ganz einfach, aber schlimmstenfalls wär ich halt ins Wasser gefallen), aber dann war Schluss, alles voller Wasser. Umdrehen wollte ich nicht, also habe ich die Schuhe ausgezogen und bin mal losgewatet. Das war echt cool. Der Spalt war grad mal so breit wie ich mit ausgestreckten Armen (wie hoch sah man nicht) und gewunden, so dass man in der Mitte weder den Anfang noch das Ende sah. Alles in Allem waren das vielleicht 50 Meter, aber die haben irre Spass gemacht. Das Wasser war nie tiefer als etwa Wadl-Mitte.
Danach bin ich eine Weile barfuss weiter gelaufen. Das ging gut, so lange der Boden Sand oder Sandstein waren, aber irgendwann kam wieder Kies und Steine, die Schuhe erforderten. Als ich zurück zum Parkplatz kam, waren die ersten anderen Touristen da. Bis dahin war ich immer und überall total allein gewesen, was ich als absolutes Geschenk empfinde.
Auf dem Rückweg habe ich dann noch eine Abzweigung genommen, die ich nicht schon vorher im GPS hatte (war wohl niemals irgendwo erwähnt) und da konnte ich dann noch den FireCanyon bewundern (von oben), der Klasse aussieht, weil da wieder der rote und der weisse Sandstein gemischt ist.
Da gab es dann auch den ‘Silica Dome’, ein grosser weisser Sandstein-Kegel, auf den ein Track zu führen schien. Hab ich natürlich gleich genommen. Der Track verschwand zwar irgendwann irgendwie irgendwo, aber auf den Dome kam ich trotzdem. War nicht schwierig, aber halt doch ein bisserl mehr als nur Laufen und deswegen noch ein zusätzliches Schmankerl.
Inzwischen war das Visitors Center auf, aber das war erstens voll und zweitens nur halb interessant. Auf dem Weiterweg gabs dann noch ein paar besondere Felsen und dann war ich durch das Valley of Fire durch.
Den Rückweg entlang am Lake Mead hatte ich mir interessanter vorgestellt. Vom Lake sieht man nicht viel und die Gegend ist halt ... Wüste. Unbunt noch dazu. Auf der gegenüberliegenden Seite hat es zwar ein paar beeindruckende Hügel und weiter hinten auch schneebedeckte Gipfel, aber nach einer Stunde sind die dann auch nicht mehr sooo interessant.
Irgendwo gab es dann die Abzweigung zur ‘Echo Bay’. Da waren dann Freizeit-Zeichen für Camping, Restaurants, Fischen und so ausgeschildert. Ausserdem stand da ‘Marina’. Ich dachte: “Fein, da fahr ich hin und esse endlich mal was!” Aber als die Strasse am Wasser endete, da war da nur eine lange breite Betonrampe, die direkt ins Wasser führte. Auf dem Wasser so eine Art schwimmender Hafen an schwimmenden Stegen und sonst - nix. Bah!
Ich fuhr also zum Hoover Dam weiter. Da wurde der Verkehr dann dichter, denn bislang war mir nur alle paar Kilometer mal ein Auto begegnet. Und erstaunliche viele Motorradfahrer für die langweilige Gegend. Zu sehen gibt es nicht viel und Kurven hat die Strasse auch nicht. Vielleicht ist das der Grund, dass das ausschliesslich grosse ‘Strassenschiffe’ ala Goldwing waren. Und noch erstaunlicher finde ich, dass es so viele Rennradfahrer gab. Mindestens so viele wie Motorradfahrer. Dadurch dass die Strassen alle einen mindestens halben Meter breiten markierten Rand haben, hatten die zwar quasi eine eigene Spur, aber ob das wirklich Spass macht?
Der Hoover Dam war enttäuschend. Natürlich ist das ein gigantisches Bauwerk und hat eine heldenhafte Baugeschichte und ist quasi ein nationales Denkmal und all das. Aber auf dem History Channel schaut das Ding deutlich grösser und monumentaler aus als in echt. Zum Ausgleich kostet das Parken da 7$. Wenn man aber bedenkt, wie das Parkhaus in die Felsen gezimmert ist, ist das auch nicht soo teuer. Weil ich so Hunger hatte, hab ich da einen Burger mit Fries gegessen, aber der war schlecht und teuer. Hätte man erwarten können.
Dann ging es zurück nach Las Vegas, wo ich mich natürlich prompt nochmal verfahren habe. Ich finde, an den Strassenschildern müssen die Amerikaner noch arbeiten. Als ich merkte, wo ich hin muss, war es zu spät, noch die Spur zu wechseln und da war es jetzt hell. Am Ende habe ich dann aber doch zurück gefunden :-)
Da war ich dann schon ziemlich am Ende. Müde, Kopfweh, geschafft. Aber glücklich, der Ausflug war genial!

Rote Felsen im Valley of Fire

Das freundliche Dickhornschaf

Die Felsen sind teilweise bizarr geformt

Arch Rock

Die Strasse zu den White Domes

An der Rainbow Vista

Im wassergefüllten Spalt

Dieser Vertreter der lokalen Fauna betrachtete mich sehr misstrauisch

Silica Dome links und Fire Canyon rechts

Elephant Rock

Lake Mead

Hoover Dam
Tolle Bilder, tolle Gegend :-)
Einige Gebilde erinnern mich an die Landschaften auf Teneriffa, vor allem die beiden Elefanten-Rüssel, andere wiederum an Kappadokien/Türke
es stoert mich immer wieder, dass schilder in den us immer nach einer abzweigung aufgebaut sind anstatt davor.
du bist da nicht alein
Ja, tolle Gegend :-) An Teneriffa habe ích nie gedacht, Petra, eher an Chile. Allerdings hatte da die Wüste die schöneren Farben, vom Valley of Fire natürlich abgesehen. In der Türkei war ich noch nicht.
Genau das, rolf. Ausserdem fand ich es unschön, dass zwar immer die Abzweigungen bezeichnet waren, aber niemals nochmal eine Bestätigung kam, dass man immer noch auf dem richtigen Highway (I15 North) ist. Speziell auf dem Weg aus Las Vegas hinaus war ich mit bei den vielen Verzweigungen des Öfteren nicht mehr sicher. Das ist bei uns (D, A, CH, I, F) besser gelöst.