Seit Jahren jammere ich, dass es ja wohl nicht wahr sein kann, dass beim Skitouren die Abfahrt nur dann wirklich Spass macht, wenn die Bedingungen zu 100% passen. Oder wenigstens zu 90%. Kleiner Disclaimer, damit jetzt niemand was falsch versteht: Natürlich machen Skitouren immer Spass. Das liegt schon ganz einfach daran, dass man sich im Winter (!) im Schnee (!!) in grossartiger Umgebung (!!!) bewegt :-))
Aber weil ich so unersättlich bin, will ich noch mehr Spass, vor allem beim Abfahren. Ich will einen Ski der 0 Gramm wiegt und so stabil und dynamisch ist wie mein superschwerer Pistenski (muss ich mal wiegen, da hat ein einzelner Ski bestimmt 4 Kilo). Ist doch ganz einfach ;-)
Mit den neuen Tourenstiefeln bin ich meinem Ziel schon ein Stück näher gekommen, die sind ein ganzes Stück besser als die alten Stiefel und dabei genauso (mittel-)leicht. Offensichtlich hat sich was getan in den letzten Jahren. War ja klar, dass das Begehrlichkeiten weckt.
Noch dazu hat Alpin zum passenden Zeitpunkt (eigentlich schon im Oktober, aber ich bin mit dem Lesen meiner Abo-Hefte ein bisserl hinten dran) einen Skitourenskitest aufgelegt und da stand bei irgendeinem Ski dabei: ‘Ein Ski der alten Garde, der nur beim Aufstieg Spass macht.’ Aha, denkt man sich da, neue Ski sind also anders.
Den Samstag Vormittag verbrachten wir also beim Dealer des Vertrauens und nun haben wir beide neue Tourenski. Genau so, wie ich mir das vorher überlegt hatte: K2 Shuksan mit Silvretta Pure Performance, zum relativ schweren Ski eine eher leichte Bindung, damit ich bei den Touren auch oben ankomme ;-)
Am Sonntag musste das neue Material natürlich getestet werden. Um ganz sicher Schnee zu haben (neue Ski!) nahmen wir uns den Gamsfuss vor. Schon die ersten Schritte mit den neuen Skiern waren ... anders. Einerseits sind die Ski schwerer und breiter und rutschen somit schlechter mit dem Fell unten dran, andererseits liegt der Drehpunkt der Bindung etwa da wo das Zehengelenk sitzt und es läuft sich sehr angenehm damit.
Es dauert nicht lang, dann fiel das mit den schweren Skiern nicht mehr auf (schaumermal wieviel Kraft das auf langen Touren kostet), das angenehme Gehgefühl dagegen blieb.

Wie üblich waren wir wegen des zu erwartenden Skifahrerstaus recht früh dran. Wir waren die allerersten beim Gamsfuss, was für den besten Allgäuer von Allen viel Spurarbeit bedeutete.

Der Nebel, die Feuchtigkeit oder was auch immer hatte für wunderbare Eisnadeln an Büschen und Bäumen gesucht. Wir waren lang allein unterwegs und nahmen uns viel Zeit für Fotos und alle möglichen Skitests. Steil hoch, steil queren, Spitzkehren in möglichen und unmöglichen Positionen, usw.

Alles in Allem ist der Shuksan beim Aufstieg ein feiner Ski, der vielleicht im Steilen nicht ganz so gut greift wie der alte Hagan Dolphin, was vermutlich einfach an der Bauart liegt, möglicherweise aber auch an den Bedingungen. Allzu gross kam uns der Unterschied nicht vor und einen direkten Vergleich hatten wir ja nicht.
An dem grossten Stein, wo man in den steilen Nordhang zum Gamsfuss einsteigt, wurde es ernst. Lockerer körniger Pulver auf verharschtem Untergrund. Wir teilten uns auf, ich blieb erst mal stehen, der Ralle spurte weiter. Nach der ersten Kehre fing er bei jedem Schritt an mit dem Ski zu rutschen. Der Pulver hielt nicht auf dem Harsch, aber der Ski griff nicht bis in den Deckel hinein.
Hm. LLB 3, Reine Nordseite, langer Hang, Steigung zwischen 35 und 40 Grad. Auf der positiven Seite: kleine Gruppe, viel befahrener Hang. Wir liessen es trotzdem gut sein und richteten uns auf einem sonnigen Buckel zur Brotzeit ein. Eine 6-er Gruppe Skibergsteiger kam nach uns.
Die stiegen mit aller gebotenen Vorsicht (sehr grosse Abstände, einer als ‘Pfadfinder’ voraus, die anderen einzeln hinterher) in den Hang ein. Schien zu halten, beim Aufstieg zumindest. Vielleicht waren wir zu vorsichtig, wer weiss das schon vorher?
Bei der Abfahrt zeigt der neue Ski alle seine Stärken. Über den lockeren Pulver auf dem Harschdeckel im oberen Bereich schwebten wir geradezu, wedeln ging perfekt, die überschneiten gefrorenen Spuren im unteren Bereich schluckt der Ski wie nichts und überhaupt ... was für ein Auftrieb!

Einfach nur genial! Der Ski wird m.E. zu Recht in alle Tests über den grünen Klee gelobt. Kann ich natürlich leicht sagen, ich habe ja keinen Vergleich ausser mit einem inzwischen recht betagten Ski der vor-vor-vorigen Generation von Tourenskiern. Von dort ist das abfahrtstechnisch ein Quantensprung, endlich hab ich was ich wollte :-)
Wie das mit den Freeride-Eigenschaften des Skis ist, werden wir demnächst mal testen, hoffe ich (dann aber mit Helm!), und wie er sich bei schwierigeren Aufstiegen schlägt müssen wir auch noch ausprobieren, aber ich bin zuversichtlich, dass wir das Abfahrtsvergnügen nicht mit übermässigen Einbussen beim Aufstieg bezahlen werden.
:-)
Hmm Andrea.
Leider hab ich von Tourenski keinen blassen Schimmer, hier vor der Haustür gibts eh nur Langlauf, oder z.Zt. Wasserski.
Aber Deine Landschaftsfotos sind so geil…!
LG _a.
Sauber sag i :-))
lieber einmal mehr abgebrochen - grade bei LLB 3 passieren die meisten Unfälle…
Ihr hattet ja nur Sonne…
aber Karwendel über den Wolken hat auch was :-)))
http://www.hikr.org/tour/post5268.html
Danke, Andi :-)
Ist nicht allzu schwer in wunderschöner Landschaft schöne Bilder zu machen :-)
Genau das, hawkeye, haben wir uns auch gedacht.
Aber nur Sonne? Nein, unten beim Zustieg sah es genauso aus wie bei Euch, alles voller Wolken, aber dann hat es aufgemacht. Nur Nebel hatten wir keinen.
Hach schöne Bilder. Ich glaube ich muss meine Langlaufkarriere mal wieder beenden, dann komme ich auch wieder zum Skitouren auf “meine Hausberge”.
Ja, geh mal wieder auf Deine Hausberge, Stefan, sind wirklich traumhaft :-) Und Euer ‘Loch’ da hinten ist so wunderbar schneesicher :-))