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Wallis 2008 - Allalinhorn

Donnerstag, Mai 15, 2008

Die hoffnungsvollen Erwartungen des Vorabends erfüllten sich nicht. Als wir in der Früh aus dem Fenster Richtung Saas Fee und Allalinhorn guckten, sahen wir keinen gleissenden Gletschergipfel im ersten Morgenlicht sondern graues Grau. Saas Fee lag im Nebel.

Leicht geknickt gingen wir hinab in den Frühstücksraum, wo Lucija bereits unseren Kaffee fertig hatte. Toller Service. Wir diskutierten unsere Möglichkeiten durch (wieder ins Bett und den Tag totschlagen oder im Nebel rumstapfen) und kamen zu dem Schluss, dass uns der Blick aus der Station Mittel-Allalin die 100 Franken für die Bahnfahrt wert war. Im schlimmsten Fall würden wir uns dann eben wieder die Piste nach Saas Fee hinunter tasten, mit ein wenig Glück könnten wir es vielleicht bis zum Feejoch schaffen. Zum Rumhängen hatten wir einfach keine Lust.

Die Wolken begannen ungefähr 100 Meter über Saas Fee. Die Gondeln der Alpin-Express-Bahn verschwanden nicht weit über dem Dorf in weissem Nichts. Na toll! Ausser uns wartete ein vollvermummter Snowboarder und ein weiteres Skitourengänger-Paar auf die Öffnung der Bahn. Na, immerhin waren wir nicht die einzigen Bescheuerten, die bei dem Wetter ihr Glück versuchten.

Als wir in den Gondeln über Morenia zum Felskinn fuhren, blies ein starker Wind Schneeflocken durchs geschlossene Gondelfenster. Die Gondel schwankte beunruhigend zum Getöse des Windes draussen. Herrje, das würde eine teure Abfahrt werden.

Nach der U-Bahnfahrt zur Station Mittel-Allalin betrachteten wir unentschlossen den Schneesturm. Die Sicht vor den Fenstern betrug bestenfalls 20 Meter und es klang noch immer nach viel Wind, wenn auch deutlich gemässigter als in den Gondeln. Nunja, die Hoffnung stirbt zuletzt und so rödelten wir auf und vermummten uns so weit wie möglich, bevor wir nach draussen traten. Mich machten ja die intensiven Blicke der Bergwachtler und Pisten-Sicherheitsleute ein wenig nachdenklich. Merkten die sich schon mal, nach wem sie nachher suchen sollten?

Der Wind hatte tatsächlich beträchtlich nachgelassen, möglicherweise, weil wir uns inzwischen im Windschatten von Allalin und Feejoch befanden. Die Sicht jedoch liess grösstenteils ganz stark zu wünschen übrig. Nach rechts Richtung Alphubel konnten wir zwar hin und wieder einen weitgehend wolkenfreien Gipfel sehen, um uns herum war es jedoch Weiss-in-Weiss. Wir stapften von Pistenmarker zu Pistenmarker auf den letzten Schlepplift zu. Ich war fest überzeugt, dass wir dort dann alles wieder ablegen und abfahren würden.

Aber, oh Wunder, am Rand der Piste wurde der Nebel lichter und wir konnten grad noch drei Skitourengeher sehen, die Richtung Feejoch aufstiegen. Und vor uns: eine Spur!

Hocherfreut folgten wir der Spur, die - das konnte man in den häufiger werdenden lichten Momenten gut sehen - genau richtig über die grosse Spalte auf das Feejoch zuführte.

Die Stapferei in dem verwehten Neuschnee war nicht ganz einfach und wir mussten uns teilweise ganz schön abmühen (Sch…-Felle!), wo die Spur dem Gelände folgend steiler wurde, aber wir erreichten zuverlässig das Joch, wo die Vorgänger die Ski abgestellt hatten und bereits mit Steigeisen im Gipfelansteig zu sehen waren. Ja, zu sehen. Ab dem Joch flogen lediglich Wolkenfetzen umher, die Sicht war weitgehend gut.

Wir wechselten ebenfalls von Skiern zu Steigeisen und stapften den Spuren der Vorgänger nach. Da es sich ab hier aber um harten Firn und teilweise blankes Eis handelte, verloren wir die eigentliche Spur bald und mussten uns selber einen Weg zum Gipfel suchen. Man konnte inzwischen ja ganz gut sehen konnte, daher schien das zunächst nicht weiter problematisch. Bis ich erst in eine Spalte trat und dann mit dem Pickel Luft unter der Schneebrücke über die nächste Spalte fand. Uaah!

Der beste Allgäuer von Allen fand meinen Vorschlag, es doch einfach gut sein zu lassen (das Minimalziel Feejoch hatten wir ja erreicht), aber überhaupt nicht gut und so wechselten wir die Positionen (er vorn, weil ich Angst hatte). Mit ein paar kleinen Umwegen fanden wir nahezu problemlos zur Westflanke des Allalin, wo unsere 3 Vorsteiger eben wieder hinunter kamen.

Westflanke? Beim letzen Mal waren wir ganz bequem über die Südseite abgestiegen, die mässig steil und reines Gehgelände ist. Die Westflanke sah bei weitem nicht so angenehm aus, ein steiler Firn- und Eishang. Aber irgendeinen Grund musste es ja geben, warum die Vorsteiger hier hinauf gegangen waren und immerhin war im steilsten Teil unter dem Grat ein Fixseil zu sehen.

Der beste Allgäuer steuerte auf das Fixseil zu, testete es so gut es eben zu testen war und begann daran hinauf zu steigen. Das Seil endete 20 Meter unter dem Grat an einem steilen Feld aus bröseligem Schiefer-Gestein, das grösstenteils im Eis festgefroren war. Der steilste Teil des Anstiegs war also ungesichert, was der Ralle sofort änderte, indem er einen Stand baute.

Ich sicherte ihn zum Grat hinauf (zu dem er den direkten Weg nahm, alles auf den Frontzacken), wo er mittels des Pickels im Schnee und Eis des Grates eine weitere Sicherung aufbaute und mich nachsicherte. Mir war der direkte Weg zu steil (im steilen Eis auf den Frontzacken zu steigen, halten meine Waden nicht aus), daher wählte ich die einfachere Variante und stieg schräg zum Grat empor, wo ich ein paar Meter unterhalb vom Ralle ankam.

Von Ralles Stand waren es nur noch ein paar wenige Meter auf dem scharfen Grat zum Gipfel, die ich voraus ging. Als das Seil auslief, stiegen wir die letzten Meter wieder als Seilschaft weiter. Cooler Anstieg, wieso sagen eigentlich alle, das Allalin sei so einfach? 50 Grad Eiswand (wenn auch kurz) sind doch nicht einfach?

Die Frage klärte sich am Gipfel, als ich einen Blick auf den Normalweg warf, den ich noch aus dem Sommer in Erinnerung hatte. Weil der Normalweg tatsächlich einfach ist - wenn man ihn denn auch benutzt.

Als der Ralle zum Gipfel kam hatten wir eine kleine Diskussion, wie wir denn nun wieder hinab kämen. Der beste Allgäuer von Allen war der Meinung, dass wir unbedingt der Aufstiegsspur folgend wieder hinab müssten, um auf keinen Fall den Weg zu verlieren (was das für Folgen haben kann, hatten wir ja am Strahlhorn schon ausgiebig getestet), ich argumentierte, dass der schmale Grat und das Fixseil inzwischen voller Leute sei (dort tummelten sich um die 20 Nachsteiger) und dass die breit ausgetretene Spur des Normalweges trotz des Neuschnees kaum zu verfehlen sei.

Schliesslich einigten wir uns auf meine Variante, denn der Rückweg über den vollen Grat war wirklich kaum zu machen. Ich gebe zu, ich war sehr erleichtert, denn es ist eine Sache, steil aufzusteigen, aber eine ganz andere, genauso steil wieder abzusteigen.

Der Rückweg zum Skidepot war leicht zu finden, den kannte ich ja und man sah auch genügend. Die vielen Leute hatten die Spalten über die Schneebrücken inzwischen auch gut markiert und getestet, so dass wir ohne Zwischenfall zurück zum Feejoch kamen.

Die Abfahrt war dann wieder eine Sache für sich. Bis zur grossen Spalte unterhalb des Jochs war die Sicht noch halbwegs gut, danach befanden wir uns wieder im weissesten Weiss-in-Weiss. Ich konnte ungefähr 3 Meter weit voraus schauen und so reduzierte sich die ‘Abfahrt’ darauf, entlang der Spur so lange quer zu rutschen, bis wir die Piste erreicht hatten.

Wir stiegen erst mal zurück zur Station Mittel-Allalin, wo wir hofften einen Pistenplan zu finden. Den gab es zwar, doch er war weit oben und schwer zu lesen, weil die Beleuchtung defekt war. Als wir dann draussen waren, stellte sich heraus, dass die Piste, die wir als die Richtige identifiziert hatten, leider gesperrt war, so dass wir uns auf gut Glück einer anderen Piste anvertrauen mussten.

Wieder tasteten wir uns von Pistenmarker zu Pistenmarker, um nach Saas Fee hinunter zu kommen. Immerhin waren die Pisten gut präpariert und auf dem weichen Neuschnee war es eigentlich wunderschön zu fahren (traurig, die schönste Abfahrt des ganzen Urlaubs bisher fand im Whiteout auf den Pisten statt), wenn auch ein wenig seltsam, weil man gar so wenig sah.

Ab der Station Morenia waren wir dann unter den Wolken und konnten uns sehenden Auges den Weg ins Dorf hinab suchen. Der erste Weg nach Abschluss der Abfahrt führte uns wieder in die Saaser Bäckerei in Saas Grund, wo wir uns mit Puten-Sandwiches auf das späte Abendessen im Alpenblick in Randa vorbeiteten. Die anderen wollten gegen 20:00 drüben sein.

Wir hatten dem leicht konfusen Gastwirt versprochen, deutlich vor 20 Uhr da zu sein, daher machten wir uns bald auf den Weg zum Migros gegenüber, denn dass unsere Bleibe in Randa ein Selbstversorgerhaus ist, hatten wir erst beim Telefonat mit dem Gastgeber erfahren, der uns eindringlich darauf hin gewiesen hatte, dass der erste Mai in der Schweiz ein Feiertag ist. Nicht allzu überraschend.

Die minimalen Notwendigkeiten für einen oder 2 Tage im Alpenblick hatten wir schnell beisammen. Kaffee und gesüsste Kondensmilch aus der Tube (nahmen wir zugegeben vor allem deswegen mit, weil wir neugierig waren) zum Frühstück, dazu Vollkornbrot, ein bisserl Käse und Nutella. Halt, nix Nutella, es gab Ovomaltine-Crunchy-Creme, die musste natürlich getestet werden. Und natürlich Bier in Dosen, die Abende wollten ja auch gefüllt werden. Beim Abendessen, da war ich sicher, würden wir ganz sicher von den für ihre Fressfeste bekannten SAN-Leuten versorgt werden ;-)

Ein gute halbe Stunde später waren wir drüben in Randa, wo uns der unglaublich nette aber noch immer wirre Gastgeber ganz aufgelöst empfing: Die anderen hingen im Stau vor dem Gotthard und würden ganz bestimmt nicht vor Neun hier auftauchen und er müsse doch zur Arbeit und morgen früh hätte er auch keine Zeit und ... überhaupt.

Wir beruhigten ihn, bezogen unser Zimmer, SMSten quer durch die Schweiz um den Stand der Dinge zu erfahren (Abendessen frühestens um halb Elf, gut dass wir in Saas Grund die Sandwiches gegessen hatten) und organisierten dann den Zimmerbezug und versprachen das Geld einzusammeln und für ihn abzulegen. Beruhigt (äusserlich zumindest) zog der Gastgeber zur Arbeit ab und wir gingen duschen.

Halb Elf kam dann Leben in die Bude, und wie. Wir sassen schon halb eingeschlafen mit Kaffee vor dem TV (wo es nur 2 Programme gab, die dafür in jeweils 3 verschiedenen Sprachen), als die beiden Autos, die staubedingt völlig verschiedene Wege genommen hatten, fast zeitgleich eintrafen.

Ausser dem ganzen nötigen Skitourenzeug schleppen die Leute unglaubliche Mengen Essen herein, darunter einen Riesentopf Gulasch und haufenweise Knödel. Ralle und ich, essens- und ausrüstungstechnisch eher der Minimalisten-Fraktion zuzurechnen, staunten nicht schlecht, als kistenweise Essen, Trinken, Bier, Wein, und auch sonst alles Mögliche in der Küche gestapelt und dann losgekocht wurde.

Wir verteilten die Zimmer nach Anweisung, verzogen uns mit unserem Bier eine Ecke und beguckten das Treiben. Sah zwar chaotisch aus, hatte aber Methode. Eine knappe Stunde nach Ankunft, waren Gulasch und Knödel fertig und schmeckten vorzüglich.

Bei der Diskussion wie es am nächsten Tag weiter gehen sollte, stockte die Unterhaltung dann. Nachdem wir vom Allalinhorn gekommen in Saas Fee angekommen waren, hatte es zu regnen angefangen, pünktlich zu unserer Ankunft in Randa war der Regen in Schnee übergegangen und inzwischen lag draussen eine dünne nasse Schneedecke. Es schneite nicht mehr, aber der Himmel war bedeckt. Ob man unter diesen Umständen die Spaghetti-Runde nach Italien würde beginnen können? Wir vertagten die Entscheidung auf den nächsten Tag. Im Fall des Falles sollten wir um 8:00h starten können.

Von engel am 15.05.2008 05:56 • diaryurlaubwallis2008outdoorski
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