Nach einem gemütlichen Frühstück starteten wir um neun gen Bregenz. Die Sache mit dem Mini-Pickerl für Vorarlberg, mit dem man schnell mal den Rhein queren und in die Schweiz düsen können sollte, die ich mir vor einer Weile (im Januar etwa) gemerkt hatte, hatte sich als Luftnummer herausgestellt (Die Dame vom ADAC: ‘Ja, da wird schon eine Weile dran rumdiskutiert, aber ob das jemals was wird steht in den Sternen’), so dass wir dem räuberischen Bergvolk doch den vollen Betrag für 2 Wochen und 20 Kilometer Autobahn in den Rachen werfen mussten. Bregenz am Samstag Vormittag ist nicht gut für mein Gemüt.
Der Oberalp hatte noch Wintersperre, also blieb uns nichts übrig als über Schwyz und die A2 Richtung Gotthard auszuweichen. Unvermeidlich kam dann in den Schweizer Verkehrsnachrichten: ‘Stau auf der A2 Richtung Süden zwischen Amsteg und Göschenen. Wartezeit 2 Stunden.’ Richtig, das ist dort doch immer so, nur wenn man vom Oberalp kommt quert man den Stau und kann kalt lächelnd dran vorbei fahren.
Bis wir dann auf die A2 kamen, reichte der Stau bereits bis Erstfeld und sollte mindestens 2 1/2 Stunden dauern. Nix wie raus da, die Landstrasse nach Andermatt kennen wir doch noch aus der Moped-Zeit. Der Stau begann direkt nach der Ausfahrt Erstfeld, doch statt des erwarteten Zweit-Staus auf der Landstrasse fuhren wir in schönster Einsamkeit am Autobahnstau vorbei. Es ist unglaublich wie erhebend es ist, bei schönstem Wetter an zweispurig stehendem Verkehr vorbei zu fahren ;-) Schadenfreude ist halt doch die schönste Freude.
Des Rätsels Lösung bezüglich der Landstrasse lag übrigens am schlauen Verkehrsmanagement der Schweizer: Die Einfahrt Göschenen, die direkt vor dem Gotthard-Tunnel, war ganz einfach gesperrt worden, damit niemand um den Stau herumfahren und sich vorne wieder reindrängeln konnte. Wunderbar!
Die Furka-Bahnverladung in Realp erreichten wir pünktlich genau zur Abfahrt des Zuges und so waren wir 2 Stunden später im Saas-Tal. Wir hatten beschlossen, nicht mal zu versuchen, vielleicht noch einen Platz auf der Brittania-Hütte zu bekommen, sondern den Urlaub ganz gemütlich im Hotel und mit einem schönen Essen in Saas Grund zu beginnen. Erst mal gab es Kaffee und Kuchen in der Saaser Bäckerei, dann suchten wir uns ein Hotel. Das günstige, das ich aus dem Internet rausgesucht hatte, war schon geschlossen und auch sonst sah alles recht zu aus.
Doch aus einem der ‘zuenen’ Hotels kamen gerade zwei Leipziger Touristen heraus und meinten, doch, das hätte schon offen, es sei nur im Moment niemand da. Just in dem Moment kam der Koch mit den Utensilien fürs Abendessen an und klingelte für uns die ‘Serviertochter’ aus dem Bett, die uns gleich ein Zimmer gab und bedauerte, dass die Hauswirtin nicht da sei, deswegen könne sie uns keine Quittung geben. Och, wenn es nur das ist.

Und so kamen wir ins Bärgsunnu, das innen ganz wunderhübsch und liebevoll von einer sehr bastelfreudigen Wirtin hergerichtet worden ist. Lucija, die ‘Serviertochter’ (irgendwie das Mädchen für alles) war sehr nett und sehr bemüht und ein wenig schwierig zu verstehen, was teils damit zu tun hatte, dass sie als Kroatin nur gebrochen Deutsch sprach (Schweizerdeutsch natürlich) und teils damit, das die Frau hin und wieder recht krause Vorstellungen von allem Möglichen hatte.
Es war jedenfalls ausnehmend nett im Bärgsunnu, es gab gutes bodenständiges Essen zu einem sehr bezahlbaren Preis und wir fühlten uns sehr wohl dort. Und die gute Lucija konnten wir dazu bewegen, uns bereits um Viertel nach sieben Frühstück zu machen (Kompromiss zwischen sieben - wir - und halb acht - offizielles Frühstück). Und - ganz prima - von unserem Zimmer aus konnten wir sogar die Sonne am Allalinhorn untergehen sehen :-)
