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Südtirol Teil II, Punta San Matteo

Montag, September 19, 2011

Das Wetter hielt sich mal wieder nicht an die Vorhersage und es schüttete in der Nacht zum Montag heftig. Frühstück war um fünf Uhr und da hatte der Regen grad eben erst aufgehört und der Himmel hing voll dicker dunkler Wolken. Mit uns war ein Südtiroler Pärchen und eine grössere Gruppe von München Oberland aufgestanden. Wie wir beschlossen auch die anderen, zumindest mal loszugehen.

Die Südtiroler frühstückten typisch italienisch (Kaffee und nix) und waren bald weg, die Münchner brauchten länger als wir, daher starteten wir allein im Halbdunkel Richtung Gletscher. Wir hatten uns den Weg vorher schon angeschaut und fanden mit Hilfe des GPS ziemlich problemlos hinab zur linken Seite des aperen Forni-Gletschers. Der Himmel wurde langsam heller und es liess sich schon der eine oder andere blaue Fleck zwischen den Wolken sehen.

Wir hielten uns an die Angaben des Gebietsführers und liefen am äusseren linken Rand des flachen unteren Forni-Gletschers (zwischendurch eine grosse Moräne querend) zu einer etwas steileren Rampe, die quer durch einen kleineren Bruch (der ein paar interessante schmale Querungen erforderte) auf die grosse Rampe zur Punta San Matteo führte. Die Münchner waren lang hinter uns, kapitulierten aber vor dem Bruch. Die beiden Südtiroler hatten einen völlig anderen Weg über die rechte Mitte des Forno-Gletschers gewählt, die sahen wir gelegentlich weit drüben aufsteigen.

Auch nach dem kleinen Bruch war der Forni-Gletscher zunächst aper, so dass wir die vielen Spalten problemlos sehen und queren konnten. Weiter oben musste man an grossen Längsspalten entlang gehen, bei denen wir froh waren, sie gut sehen zu können. Als wir in die Sonne kamen, fing die Schneeauflage an und wir seilten uns an.

Der Gletscher steilte ein wenig auf und wir konnten vor uns die beiden Südtiroler sehen, die sich bereits dem Aufschwung vor einem Sattel näherten. Dort stapften sie ein wenig hin und her und schienen dann Pause zu machen. Wir näherten uns.

Es stellte sich heraus, dass die beiden wegen akuter Spaltengefahr schweren Herzens beschlossen hatten, hier umzudrehen. Die Bedingungen waren wirklich nicht gut. Durch den nächtlichen Regen (hier Schneefall), hatte die Schneeauflage Nachts nicht durchfrieren können und wurde nun durch die Sonneneinstrahlung weich und weicher. Spontan boten wir an, uns zur 4er-Seilschaft zusammenzuschliessen, was die beiden nach kurzem Überlegen annahmen.

Die Abbruchstelle war gut gewählt, denn kurz drauf mussten wir uns erst mal vorsichtig über ein paar Spalten tasten, bevor wir auf den Sattel gelangten. Von dort ging es ein Stück flach weiter, dann wurde es steil und steiler, bis wir schliesslich eine kleine Flanke von sicherlich 35 Grad mit nicht allzu stabiler Schneeauflage vor uns hatten.

Danach ging es wieder flacher dafür aber spaltig auf dem flachen Plateau vor dem Gipfel weiter. Wir brachen gelegentlich ein, wobei aber nicht immer klar war, ob wir nun eine Spalte oder nur aufgeweichten Schnee unter uns hatten. Es war jedenfalls einigermassen unangenehm und ziemlich anstrengend. Meine Batterien waren direkt nach der Steilflanke eingebrochen und die Höhe setzte mir arg zu.

Am Gipfel zogen leider Wolken über uns, so dass die Sicht schnell nachliess. Wegen des weichen Schnees wollten wir uns aber sowieso nicht lang aufhalten und starteten nach einer kurzen Pause zum Abstieg. Der Schnee war noch nicht wesentlich weicher geworden, so dass die Querung des Plateaus kein Problem war. In der Steilflanke dagegen hatten die Temperaturen bereits gearbeitet und der Schnee war deutlich instabiler geworden. Auf der Spalte vor der Stelle des Zusammenschlusses schaffte ich es, genau auf der Spalte zu stolpern. Der Schnee hielt, da war ich froh.

Wir blieben zusammen und stiegen über die Mitte des Forni-Gletschers etwa auf der Spur von Cornelia und Hannes ab. Dann querten wir die Gletscherzunge und kehrten auf dem Normalweg zum Rifugio zurück.

Dort war Umplanen angesagt. Denn von der Besteigung der Königspitze um diese Jahreszeit rieten uns alle heftigst ab. Ein Quercheck im Führer bestätigte dies (mein Fehler, ich hatte den Text falsch verstanden). Damit war die Überschreitung Palon de la Mare - Cevedale eigentlich sinnloss geworden, weil wir danach auf der Casati-Hütte ohne vernünftigen Weiterweg quasi gestarndet wären. Und die Casati-Hütte soll - ganz im Gegensatz zur Branca-Hütte - nicht allzu toll sein.

Wir beschlossen also, die Königspitze sausen zu lassen, am nächsten Tag lediglich den Palon de la Mare zu machen und nochmal im Rifugio Branca zu übernachten. Danach sollte es wie geplant weiter gehen. Die Wirtin hatte kein Problem mit der Verlängerung, warnte uns aber, dass am nächsten Tag ‘40 junge Männer’, 2 Schulklassen, auf der Hütte erwartet würden. Nunja, das würden wir schon überstehen, wir hatten ja unser nettes eigenes Winzzimmer.


Frühmorgens am Forni-Gletscher, hinten die Punta San Metteo


Ralle sucht einen Weg durch den Gletscherbruch


Entlang der Längsspalten geht es in die Sonne


Vor der steilen Flanke (hinten rechts der Gipfel)


Dieser Hubschrauber schien Übungen zu fliegen


Gipfelrundblick von der Punta San Matteo


Im Abstieg


Rückblick

Von engel am 19.09.2011 20:15 • outdooreis
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