Im Allgäu schneite es in der Früh bei -1 Grad. Der Schneefall ließ aber schon bei Marktoberdorf nach, in München nieselte es nur noch leicht bei +3 Grad. Bis ich dann losradelte, war es sogar trocken von oben.
Auf dem Weg ins Büro gab es einen heftigen Adrenalinschock, als ein Lieferwagen beim Abbiegen vor mir erst langsam wurde und dann doch ums Eck fuhr, gerade als ich vor ihm war. Der Typ musste mich auf dem Radweg direkt neben der Straße, wo nur ein paar Autos parkten, bei vollem Tageslicht und mit dem leucht-gelben Rucksackregenschutz gesehen haben und er wurde zunächst ja auch brav langsamer. Dann weiter zu fahren und beinahe mein Hinterrad mitzunehmen war pure Absicht :-(
Schlagfertigkeit und schnelle Reaktion sind ja leider meine Sache nicht, deswegen fuhr ich einfach weiter. Hinterher ärgerte ich mich sehr. Ich hätte anhalten und den Fahrer mit all dem beschimpfen sollen, das mir leider erst 10 Minuten später (nachdem das Adrenalin so halbwegs abgeklungen war) einfiel.
Im Kino gab es Silence. Ich bin einigermaßen zwiegespalten. Einerseits ist der Film großartig aufgenommen mit bedrückenden und berührenden Bildern und kommt trotz des Themas nicht so religiös daher, wie ich befürchtet hatte. Andererseits hatte ich trotzdem ständig den Verdacht, bekehrt werden zu sollen. Und leider kommt die japanische Seite der Geschichte für mein Gefühl zu kurz, allerdings bin ich wiederrum sehr erfreut, dass die Japaner nicht übermäßig verteufelt werden. Das wird mich noch ein Weilchen beschäftigen, also hat der Film seinen Zweck erfüllt. Und er war trotz der erstaunlichen Länge von fast 3 Stunden kein bißchen langweilig.
Zu Abschluß noch ein kleines Filmchen. Anscheinend hat Krumbach, eine kleine Gemeinde in Vorarlberg, gleich bei uns ums Eck, ein paar der ungewöhnlichsten Bushaltestellen der Welt: (via Oddee.com)
Nach 2 ausgefüllten Tourentagen war es richtig gemütlich, am Sonntag einfach nur nichts zu tun. Wobei ‘nichts’ natürlich nicht stimmt, weil Heimtage immer dazu dienen, Haushaltsdinge nachzuholen ;-)
Die langwierigste Aktion war das Umsetzen der Chilibabies in Töpfe. Wobei ich da nur gelegentlich kleinere Assistenz-Aufgaben habe, die eigentliche Arbeit macht der Pfleger der Chilis. Auch diesmal wurde natürlich kein einziges Pflänzchen entsorgt, sondern alle, wirklich alle, Chilis wurden umgesetzt. Die Terrasse wird voll werden im Sommer ...
Zwischendrin gab es ein wenig Skifahren (Slalom in Kranjska Gora mit einem tollen Felix) und Lesen und Computern. Sehr gemütlich :-)
Abends Essengehen mit den Schwiegerleuten. Dass die Lebensgefährtin des Schwiegervaters völlig begeistert von den eingebackenen Gambas beim Lieblings-Chinesen ist, obwohl sie sowas bis vor zwei Jahren gar nicht kannte, erfreut uns immer wieder. Ist doch wunderschön, wenn man einer 80-jährigen Dame von Welt noch was Neues zeigen kann!
Irgendwann am Vormittag musste ich eine ungeschickte Bewegung gemacht haben, denn plötzlich hatte ich beim Nach-Links-Drehen eine Zerrung im Rücken. War total lästig und stach zu den ungeschicktesten Zeitpunkten unvermutet und schmerzhaft zu. Ausdehnen oder Ähnliches half nur kurzzeitig.
Am Nachmittag war die Vorstellung des neuen ‘agilen’ Office-Konzepts, das in den nächsten anderthalb Jahren umgesetzt werden soll. Nachdem ich jetzt endlich mal konkrete Pläne gesehen habe, ist die Vorstellung gar nicht mehr so sehr gruselig. Ich habe mich jedenfalls direkt zur Mitarbeit in der weiteren Projektierung gemeldet, denn wo und wie ich arbeite ist mir schon sehr wichtig. Da möchte ich nach Möglichkeit mitreden können wo immer das möglich ist.
Den Absprung zum Heimfahren ins Allgäu um vier verpasste ich ein wenig, weil das Projekt grad so interessant ist. Weil aber noch Faschingsferien sind, wurde das nicht umgehend mit Stau auf der Autobahn bestraft :-)
Abends Käsbrotzeit aus dem vorzeitig gelieferten Geburtstaggeschenk für den besten Allgäuer von Allen. Alter Bergkäse, mittelalter Bergkäse, Emmentaler, dazu Butter und herzhaftes Sauerteigbrot. Perfekt!
Wenn die Neffenbande ins Allgäu geschleppt wird, frage ich inzwischen immer erst mal vorsichtig an, ob und wenn ja wer denn mit uns mit auf einen Berg steigen will. Ganz erstaunlicherweise kommt bisher von allen immer ein ziemlich schnelles ‘Bin dabei.’ :-)
Nicht ganz so zuverlässig funktioniert die Sache mit dem Packen und vor allem damit, eventuell Fehlendes schon mal vorab zu melden. Naja, glücklicherweise gibt es ja zwei reichhaltige Depots, aus denen Fehlendes ergänzt werden kann.
Wir starteten gemütlich ins Tannheimer Tal und gedachten eigentlich, der Gaichtspitze einen Besuch abzustatten. Da könnte man dann ganz prima den Gipfelhang auf Tüten runterrodeln, hatten wir uns vorgestellt. Leider steht am Gaichtpass ein Schild, dass man da wegen Wildfütterung und so nicht hoch soll (natürlich steht es nicht ganz unten sondern erst ein Stück den Weg hoch). Pfff!
Wir fuhren zurück zum Ersatzziel, bei dem wir wegen der Querung entlang des Grats zum Gipfel ein etwas ungutes Gefühl hatten. Aber man muss ja nicht unbedingt ganz hinauf.
Glücklicherweise lag aber nicht so viel Schnee wie wir befürchtet hatten und der vorhandene Schnee war wunderbar trittfest. Auch die 3 Steilstufen am Gipfelgrat waren völlig problemlos zu meistern. Die beiden großen Jungs sausten wie üblich unaufhaltsam vorne weg und auch der kleine Neffe ist gar nicht mehr wirklich klein. Jedenfalls ist er größer als ich und kommt schon gut an den besten Allgäuer von Allen ran. Ich Zwerglein unter den Riesen hatte jedenfalls alle Mühe mitzuhalten.
Inzwischen muss man die Herren ja nicht mehr mit Essen bei der Stange halten, aber die ‘Leckerlis’ die ich dabei hatte, kamen trotzdem sehr gut an. Sie hätten auch Gipfelschnaps genommen, aber den hatten wir im anderen Rucksack vergessen.
Im Abstieg rodelten die Jungs auf dem Hosenboden alles runter, was sich rodeln ließ (lediglich in der Querung oberhalb der Felsen geboten wir Einhalt, wenn auch nicht ganz schnell genug) und ließen sich auch nicht von bolligem Gras, Steinen und Wurzeln abhalten. Wir verzichteten zugunsten unserer Rücken und Allerwertesten.
Das war eine sehr nette Tour (leider fast ohne Sonne) und das Knie nahm den recht schnellen Abstieg (ich kam zwar nicht wirklich nach, mühte mich aber doch, der Bande hinterher zu kommen) mit der Schiene gut mit. Es gab natürlich Muskelkater hinterher, was auch sonst :/
(Nachfrage bei den Neffen: Nein, denen geht es gut. Kein Kater, bloß ein paar blaue Flecken am Hintern ...)

Fehlstart am Gaichtpass

Auf dem Weg zum Ersatzziel

Gämsen beobachten uns

Die letzten Meter

Oben mit Aussicht

Abstieg (die Herren rodeln zum Teil)
Radeln nach dem Klettertag führt unweigerlich dazu, dass meine linke Hand derart einschläft, dass sie an den Ampelstopps regelrecht schmerzt. Am nächsten Tag wird das schon wieder besser. Die Kombination von Klettern und Radeln ist schlecht für die Nerven, die im Nacken irgendwo zwischen den Muskeln zu den Armen raus gehen. Das war früher schon so, als ich im Ferienjob schwere Winterklamotten in Über-Kopf-Höhe umpacken musste.
Zum Mittagessen gingen wir heute zur alten Kantine, auch wenn das wegen des Windes echt anstrengend war. Beim nachmittäglichen Radeln in die Innenstadt kam mir der Wind eigentlich gar nicht so sehr stürmisch vor, aber an einer Stelle blies es dann doch so stark aus einer Seitenstraße raus, dass ich auf dem Radweg regelrecht abgetrieben wurde. Ich brauchte sicherlich einen knappen halben Meter, um mich wieder zu fangen (Adrenalin-Rush!). Ich war sehr froh, dass ich immer ganz rechts fahre.
Im City guckte ich Elle. Das ist zwar ein französischer Film, aber die OmU-Version kam einfach viel zu spät, deswegen schaute ich den Film auf Deutsch. Anfangs war der Film wirklich sehr spannend, aber wie er nach der Auflösung weiter ging gefiel mir nur so halb. Der Film ist trotzdem empfehlenswert :-)
Am Ende noch ein Link zum Lieblingsführerautor: Das Zerrbild vom rücksichtslosen Freerider und Tourengeher. Der Eintrag ist zwar schon etwas älter, aber ich hab ihn eben erst (wieder) gelesen.