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Watzmann II - Wiederroute

Dienstag, September 11, 2012

Zum exzellenten Frühstück empfing uns noch immer Nebel. Oder vielmehr, wie wir feststellten, als wir losgingen, feiner leichter Nieselregen. Alles war nass. Ohje, ob das etwas werden würde mit der seilfreien Kletterei in der Ostwand?

Wir ignorierten die Feuchtigkeit so weit es ging und stiegen auf einem schmalen Pfad ins Watzmannkar hinauf. Entlang der Westwand des kleinen Watzmanns durch lichten Lärchenwald (deren Nadeln alle einen Tropfen am Nadelende trugen, was dem Lärchenwald irgendwie einen wildromatischen Touch gab) war es wunderschön, allerdings sahen wir nebelbedingt nicht allzuviel oder allzu weit. Die Wand des Kleinen Watzmanns konnte man meist nur erahnen.

Der Weg war nass und schmierig und so recht konnte bei diesen Bedingungen kein Glaube an eine Wiederroute aufkommen. Nach ein paar Fehlalarmen (Schau, da wird es heller! Ich glaube der Niesel hört auf! Es wird trockener, definitiv!) lichtete sich der Nebel aber tatsächlich und - Wunder über Wunder - die Steine um uns herum wurden trocken und wir erhaschten gelegentlich einen Blick auf imposante Wände um uns herum.

Kurz vor dem kleinen Gletscher im Watzmannkar kamen wir endgültig in die Sonne und konnten an der Ostwand vor blauem Himmel ‘unser’ Band und die Route studieren. Im und um den Gletscher liegt eine zerbröselte JU52 aus dem zweiten Weltkrieg, die erst seit den letzten Jahren da ausgeapert ist. Es ist ein bisserl gruselig, wenn man im Schnee und Geröll zur Wand hinauf krabbelt und es allenaselang metallische klingelt.

Geröllkrabbelei ist immer blöd und mühsam, aber nachdem wir endlich den Einstieg erreicht hatten, wurde es ausnehmed erfreulich. Zunächst steigt man eine breite Rinne hinauf, dann quert man in leichten Auf- und Ab in schrofrígem Gelände nach rechts und erreicht schliesslich das breite Band, das das Kennzeichen der Route ist.

Dieses “Band” ist absolut erstaunlich. In meinem Kopf erzeugte das Wort ‘Band’ die Vorstellung eines mittelmässig breiten gerölligen Absatzes, nicht allzu steil, gemütlich zu gehen. Dieses Band ist teilweise fussballfeldbreit, reichlich steil und völlig geröllfrei, weil es nämlich von oben bis unten frei gewaschen und blank geputzt ist. Gut zu gehen ist es auch, gemütlich ist das allerdings nicht, denn man muss die Füsse schon ziemlich steil anstellen, um da laufen zu können. In einer der vielen Beschreibungen steht sinngemäss: “... ziepen die Waden vom ständigen spitzen Anstellen der Füsse.” Ohja. Muskelkater vom Feinsten in den Meinen.

Der oberste Teil des Bandes ist am steilsten und am glattesten. Ich habe selten Probleme mit Rück- und Tiefblicken, aber ganz ehrlich: diesen Teil des Bandes würde ich nur sehr ungern wieder runterlaufen müssen.

Nach dem Band kommt ein Gendarm, an dem sich ein idealer Pausenplatz und auch das Routenbuch befindet. Martin suchte seine Einträge, fand sich aber nur mehr einmal. Wir waren die ersten seit 3 Tagen und sicherlich die einzigen an diesem Tag :-)

Im Weiterweg (der erstaunlich weit nach rechts verläuft) wechselt sich zunächst leichte Kletterei mit weiteren Bändern ab. Man hat bald einen tollen Einblick in die eigentliche Watzmann Ostwand, die berühmte mit der rot angemalten Biwakschachtel. Mal abgesehen davon, dass ich diese Ostwand allein schon wegen der Wegfindungsprobleme und des immensen Höhenunterschieds (1800 Meter!) nicht gehen möchte—- die vielen gerölligen Bänder, die man da sieht, schrecken schon ganz gewaltig ab.

Kurz vor der Watzmann Mittelspitze sieht man dann schon den versicherten Weg zur Südspitze. Och, schon aus, die Route? Nein, unsere Route führte davon weg über einen Satz geneigtert Platten in wunderschöner Kletterei direkt zum kleinen Gipfelkreuz. Wow, was für ein Gipfel! Was für eine Route! Was für ein Wetterglück!

Zum Hocheck führt ein versicherter Steig, dessen Geländerseil so unangenehm gar nicht ist, denn hier ist der Fels durch die vielen Begehungen schon ziemlich glatt poliert. Ganz vorn am Hocheck muss man noch über die ausgesetzteste Stelle der gesamten Tour, aber dank des Geländers geht das einfach. Ohne wär’s doch ein wenig herausfordernd.

Nach einer kurzen Pause am der schmucken Biwakschachtel (leicht verunstaltet durch ordentlich gestapelten Müll irgendwelcher Übernachter. Deppen!) stiegen wir zum Watzmannhaus ab. Rückblickend kann ich sagen: der Anstieg über das Watzmannhaus hätte dem Grossen Watzmann schon einiges von seiner Faszination genommen. Dieser ewig lange Rücken ist ziemlich langweilig.

Am Watzmannhaus waren wir direkt über dem Nebel und hatte eine tolle Aussicht ... lauter waberndes weisses Zeugs unter uns. Der Abstieg zur Kühroint-Alm war dann im Gegensatz zum Watzmann-Abstieg wieder richtig nett, auch wenn wir dann wieder im Nebel landeten und dem patschnassen Steiglein im Nationalpark-Urwald herumrutschten.

Die komfortable Kühroint-Alm bietet sogar eine Dusche, was nach dem langen Tag sehr angenehm war. Für den kleinen Watzmann sortierten wir das Kletterzeug, von dem Ralle und ich in Unkenntnis der Route viel zu viel dabei hatten, nach Martins Vorschlägen aus. Das hatte den Vorteil, dass wir mindestens ein Kilo Eisen auf der Hütte lassen konnten ;-)

Danach dann Abendessen, viel (alkoholfreies) Bier und Bett. Toller Tag!


Morgendlicher Nieselregen an der Kühroint Alm


Schöner Aufstieg ins Watzmannkar


Ganz oben lichtet sich der Nebel: Der Watzmann!


In der Einstiegsrinne


Das riesige Wieder-Band


Steigen im grossen Band


Gemütlich geht es nach dem Gendarm weiter


Neben Klettern gibt es auch viel Gehgelände


Das Ausstiegs-Wandl


Am Watzmann-Mittelgipfel


Übergang zum Hocheck


Abstieg zum Watzmannhaus (unten direkt über den Wolken)


Zurück an der Kühroint-Alm

Von engel am 11.09.2012 06:44 • diaryurlauboutdoorberg

WOW!!! Das sieht ja richtig gut aus und richtig spannend. Jetzt freu ich mich noch mehr auf nächste Woche. Wir hoffen ja stark auf gutes Wetter!

[1] Von Ilona am 11.09.2012 18:38

Ich bin ja mal gespannt, was ihr da alles anstellt. Im Allgäu habt es ja richtig krachen lassen!

[2] Von engel am 11.09.2012 22:17
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