Dein Browser kann leider nicht vernünftig mit CSS umgehen. Den Inhalt siehst du, das Design dagegen ist futsch.

Watzmann III - Watzmannfrau

Mittwoch, September 12, 2012

Oder auch: Kleiner Watzmann.

Als wir nach dem Frühstück wieder Richtung Watzmannkar los stapften, sah es nicht viel anders aus als am Tag zuvor - rund um uns herum Nebel - aber immerhin nieselte es nicht. Der lichte Lärchenwald im Watzmannkar sah ohne die vielen Tropfen an den Lächennadelenden nicht ganz so wildromantisch aus, aber dafür tropfte es niemandem in den Nacken.

Der Nebel war insgesamt lichter und wir hatten das Gefühl gelegentlich einen Blick gen Himmel zu erhaschen, aber erst als wir Lärchen und Latschen hinter uns gelassen hatten, war uns der erste Blick auf eines der Watzmannkinder und den Watzmann selbst vergönnt.

Danach hüllte uns der Nebel aber wieder ein und wir stapften im Nebel auf die Westwand des Kleinen Watzmanns zu. Die Wand erhob sich gross und trocken vor uns, aber wegen des Nebels waren wir nicht sicher, wo denn nun der Einstieg war. ‘... dort, wo das Geröll am weitesten die Wand hinauf reicht.’ ist eine Angabe, die doch ein gewisses Mass an Sicht erfordert.

Martin, der den Einstieg kannte, machte sich auf die Suche. Bald hörten wir ihn zwar rufen, aber da wir ihn nicht sehen konnten, dauerte es eine Weile, bis uns klar wurde, von wo die Rufe kamen. Hilfreich war dann auch, dass der Nebel sich kurzzeitig verzog, so dass wir die quer laufende Rinne, der die Route folgt, tatsächlich sehen konnten.

Wir kabbelten durch reichlich loses Geröll zum Einstieg und legten die Kletterausrüstung an. Der beste Allgäuer von Allen übernahm den Vorstieg.

Die erste Seillänge besteht eigentlich nur aus einer kurzen Rinne, aus der man seitlich hinaus quert. Danach folgt viel Gehgelände. Die erschwerte die Kommunikation zunächst ganz beträchtlich, denn weder hörten Martin und ich den Ralle, noch hörte er uns. Irgendwie klappte es dann aber doch mit der Verständigung und danach waren wir fast immer in Sichtweite.

Die ‘Alte Westwand’ folgt zunächst einer schräg nach links verlaufenden Rinne, bzw. einem schmalen Absatz. Die Route ist in unregelmässigen Abständen von anderen Rinnen oder auch mal abdrängenden Felsen unterbrochen. Es hat in ordentlichen Abständen vernünftige Standplätze und zwischendrin den einen oder anderen Haken. Von einer Stelle abgesehen, ist die Route einfach und schön zu steigen.

Die Schlüsselstelle ist ein ausgesetzter abdrängender Block mit relativ wenigen Tritten, an dem ich mich doch ziemlich gefürchtet habe. Mit Kletterschuhen wäre das Ganze vielleicht nicht ganz so arg gewesen, so aber stand ich auf halber Höhe an dem Block und wollte gerade weiter nach links steigen, um um den Bauch des Blocks zu kommen, als der rechte Stiefel, auf dem ich vor allem stand, abrutschte. Der linke hatte auch nicht so einen tollen Halt, aber immerhin waren die Griffe gut. Passiert ist nichts (und gesichert war ich ja auch), aber trotzdem, der Adrenalinschub war nicht von schlechten Eltern!

Danach ist die Querung zuende und man kommt auf das grosse nach rechts führende Querband. Ab da stiegen wir seilfrei. Das Band ist steiler aber viel schmaler als das Band am grossen Watzmann. Zunächst ist es voller Geröll (was wegen der Steilheit das Steigen erleichtert) und zwischen 50cm und einem Meter breit.

Nach einem schmalen Übergang wird das Band 5-6 Meter breit und ist nahezu geröllfrei. Man steigt in schmalen Wasserrinnen empor und erreicht kurz drauf das Ende des Bandes. Über einen kleinen überhängenden Absatz geht es dann in die geneigte Westflanke und dann über eine weitere Rinne in einen kleinen Sattel von dem aus man über eine letzte Rinne auf der Südseite zum Gipfel gelangt. Gelegentlich weisen Bohrhaken oder Steinmänner den Weg, aber man findet eigentlich auch so die logische Linie.

Man kommt auf dem Nebengipfel raus, von dem aus man in wenigen Minuten den Hauptgipfel mit dem Kreuz erreicht. Wir gönnten uns eine kurze Pause (und natürlich trugen wir uns ins Gipfelbuch ein, besondere Touren erfordern besondere Massnahmen ;-)), dann stiegen wir auf dem schmalen Steig Richtung Kühroint ab (wobei wir erst mal in die falsche Richtung losmarschierten).

Dieser Steig hat auch IIer-Stellen, was dann die Entscheidung, gleich vom Gipfel aus mit Stöcken abzusteigen ein wenig verfrüht erscheinen liess. Nunja. Die spektakulärste Stelle des Abstiegs ist ein schmaler, extrem ausgesetzter, leicht überhängender Übergang, der vermutlich leichter ist, wenn man ihn schon mal im Aufstieg begangen ist. So muss man die Tritte erst mühsam suchen.

Der restliche Abstieg war vor allem nass und entsprechend rutschig.

Auf der Kühroint gab es noch etwas zu Essen und zu Trinken und dann folgte der scheusslichste Teil des Tages: der Rest-Abstieg auf der Forststrasse zum Parkplatz Hammerstiel. Gna!

Alles in Allem waren das die bestangelegten 2 Tage Gleitzeit seit Langem. Da weiss man doch gleich, warum man so viel arbeitet :-)


Aufstieg im Nebel, der sich erst ganz weit oben im Watzmannkar lichtet


3er-Seilschaft will vor dem Einstieg geübt werden


Dieser ‘Rinne’ folgt man im Aufstieg


Von oben sieht das dann so aus (in der Mitte ein weisser Helm und ein rotes Shirt)


Watzmann-Wand mit dem Wiederband. Man beachte das winzige Schneefeld auf dem Band knapp links der Mitte.


Im vollen optischen Zoom sieht man 2 kleine Menschlein auf dem Band.


Und mit noch mehr Zoom kann man dann erkennen, wie breit das Band ist (und das ist nicht mal die breiteste Stelle!)


Der Nebel wabert immer wieder bis zu und hoch


Nach der Kletterei freies Gehen auf dem steilen Watzmannfrauband


Das oben noch steiler dafür aber breiter wird


Rückblick


In der Flanke über dem Band


Die Gipfelrinne


Oben!


Im Abstieg


Die ausgesetzte Stelle im Abstieg. Erst sieht man nix.


Dann geht es steil runter.


Und von unten sieht es ganz harmlos aus.


Zurück bei der Kühroint Alm


Und schliesslich und endlich dann beim Auto.

Von engel am 12.09.2012 20:32 • diaryurlauboutdoorberg
Dieser Eintrag kann nicht mehr kommentiert werden.

Reiseberichte

Bücher :-)

Letzte Einträge

Letzte Kommentare


Have fun!