Heute ist das Büro Ferien- und Wetter-bedingt eh schon dünn besetzt und eben hat mich der einzig anwesende Kollege auch noch wegen eines Termins verlassen. Ich bin komplett allein im Büro. Bis der Kollege wieder kommt, zumindest.
Als ich heute morgen Kaffee gemacht habe, war mir völlig entfallen, dass alle weg sind, deswegen habe ich den Zwei-Liter-Pott Kaffee heute ganz für mich allein. Schöne Aufgabe ;-) Doch, ich glaube, der bin ich gewachsen ;-))
Dieses Wochenende hat es echt in sich. Nicht nur dass Ruhe verordnet ist (was gestern zu haufenweise höchst notwenigen Hausputz- und Garten-Arbeiten führte), ich hab noch dazu mein Notebook in München vergessen. Unfassbar, ich hab meinen Computer vergessen!
Bisher hat das nicht zu Entzugserscheinungen geführt (weil - siehe oben - hier noch eine Menge Arbeit wartet), ich bin zuversichtlich, das Restwochenende mit viel Sonne und Büchern und Zeitschriften auch sonst unbeschadet zu überstehen.
Achja, die Grillsaison wurde gestern auch im Allgäu eröffnet. Also von uns, die Nachbarn haben dem Geruch zufolge schon vor Monaten mit dem Grillen begonnen ;-)
Meinereine hat ja einen so wunderbaren Job, dass sich der Kontakt mit Kunden auf nahezu Null beschränkt. Hin und wieder aber erwischt es mich dann aber doch und jede solche Erfahrung ruiniert meinen Glauben an die Menschen (oder um das sogar noch zu relativieren: an die Männer) ein Stückchen weiter.
Nicht falsch verstehen, ich hab nix gegen Männer, aber mir ist noch nie eine Frau untergekommen, die so felsenfest davon überzeugt ist, alles zu wissen und richtig gemacht zu haben, die dabei aber noch nicht mal die Dokumentation gelesen hat.
Kollegen würde ich in so einem Fall knapp mit RTFM antworten, bei Kunden trau ich mich das nicht und so hab ich erst seinen Fehler gründlich gegengetestet und dann eine ausführliche Antwort geschrieben. Und ich hab mir alles bis auf einen dezenten Hinweis auf die Doku verkniffen. Hach, was bin ich heldenhaft.
(Ich will nienienie im Support arbeiten.)
Jetzt bin gespannt, ob ich das nun mit weiteren ‘Problemen’ büssen muss ...
Auch Weltmeister im Hoffen und ans Gute Glauben müssen sich hin und wieder geschlagen geben. Als wir in der Früh ‘ungeweckt’ (von der Hüttenwirtin) in den Speiseraum kamen, meinte die Wirtin bedauernd: ‘Ich hab nicht geweckt weil das Wetter so schlecht ist.’
Da war nicht zu widersprechen, um die Hütte tobte ein Schneesturm und die Sicht lag bei knapp Null Metern. Da wir nun schon mal wach waren, nahmen wir ein ausführliches Frühstück zu uns (was lediglich bedeutet, dass die Menge Kaffee erhöht wurde, Hüttenfrühstück ist so toll nicht) und besprachen die weiteren Möglichkeiten. An sich wäre heute das Allalinhorn geplant gewesen und morgen noch der Alphubel, bevor es dann ins Nachbartal zum SAN MayDay gehen sollte.
Wie denn die Wetteraussichten seien, fragten wir die Wirtin. ‘Wechselhaft.’, meinte sie. ‘Erst schlechter, dann besser, dann wieder schlechter und zum Wochenende hin wieder besser.’ Na toll, damit kann ja nun wirklich niemand was planen. Bei Nebel und Neuschnee aufs Allalin kam jedenfalls nicht in Frage, einmal verlaufen reicht dicke. Wir beschlossen, erst mal langsam zum Felskinn zurück zu laufen und uns das Wetter und die Sachlage von dort zu begucken.

Der neue Doc (der im Übrigen einen guten Eindruck macht, mit ausführlichen Erklärungen und Verständnis für Leute die sofort wieder loslegen wollen) sagt: Nein, keine Arthrose in der Hüfte (kann man ja nicht ausschliessen), aber eine massive Überlastung der linken Oberschenkelsehne. Bös entzündet.
Bei der Untersuchung hat er gekonnt einen Finger an die Knickstelle am Oberschenkel gelegt und ich bin mal kurz unter der Decke geklebt. Dann empfahl er tief Luft zu holen und jagte ungefähr 1 Liter Flüssigkeit genau in den Sehnenansatz (nur minimal übertrieben ;-)), während ich mich mit zu Fäusten geballten Händen und zusammengebissenen Zähnen auf der Liege verspannte. Aua!
Die Lösung für die Sache ist unglaublich einfach: Schonen. Ungefähr 2 Wochen länger als es weh tut. Und ein bisserl Diclofenac, damit die Entzündung schneller weg geht. Schonen. Bei DEM Wetter!
Na, das kann ja heiter werden. Einen Tag Pause im Garten in der Sonne halte ich bestimmt aus, aber dann?
Auch in der Früh zeigte sich das Wetter perfekt. Keine Wolken, kein Nebel, überhaupt nichts Schlechtes am Himmel, stattdessen klarer dunkelblauer Himmel, der sich im Osten bereits rötlich färbte. Aber wie hatte der redselige Augsburger am Tisch gesagt: ‘Morgenrot - Bergsteigertod’.

Achwas, von solchen Sprüchen lassen wir uns doch gar nicht beeindrucken, nicht bei klarstem schönstem Wetter jedenfalls. Nach dem Frühstück schrappten wir also über den eisigen Hang zum Anseilplatz und rödelten auf. An der Hütte hatte ein kühler Wind geweht, hier unten war es bereits warm. Wir legten ab und tappten mit einigen anderen Leuten den Gletscher hinauf zum Adlerpass.


Auf Lucija war Verlass. Als wir zur ausgemachten Zeit runter kamen, war das Frühstück tatsächlich fertig (ich gestehe, dass ich so meine Zweifel hatte). Nach viel Kaffee starteten wir nach Saas Fee und schafften es tatsächlich um halb Neun an die Bahn, so dass wir kurz nach Neun am Felskinn und Dreiviertel Zehn an der Hütte waren.

Wir legten das Gletschergeraffel an, deponierten das Hüttenzeugs im Trockenraum und fuhren hinab zum Anseilplatz (eigentlich Anfell-Platz). Es hatte deutlich mehr Schnee als im Jahr zuvor, die Abfahrt zum Anseilplatz war durchgängig möglich. Der Schnee war um diese Zeit schon ein wenig aufgegangen, allerdings nicht allzu sehr, so dass die Abfahrt ziemlich holprig war.
Da macht man wochenlang viele und schwierigste Höhenmeter und alles ist gut (so lang man sich nicht auf der Hütte oder im Hotel setzt und wieder aufstehen will) und kaum ist man wieder im Büro, wo ausschliesslich der Kopf und vielleicht auch die Nerven belastet werden dürften, schon mutiert man zur Invaliden.
Aufstehen ist ausnehmend schwierig, nicht mal Radeln geht wirklich. Ich frag mich, was in diesem Körper vorgeht. Zeit für den Doc-Termin morgen. Ich humpel derweil mal nach Hause, Sport fällt aus wegen Aua und auf Kino mit den Öffentlichen hab ich keine Lust. Gna.
Nach einem gemütlichen Frühstück starteten wir um neun gen Bregenz. Die Sache mit dem Mini-Pickerl für Vorarlberg, mit dem man schnell mal den Rhein queren und in die Schweiz düsen können sollte, die ich mir vor einer Weile (im Januar etwa) gemerkt hatte, hatte sich als Luftnummer herausgestellt (Die Dame vom ADAC: ‘Ja, da wird schon eine Weile dran rumdiskutiert, aber ob das jemals was wird steht in den Sternen’), so dass wir dem räuberischen Bergvolk doch den vollen Betrag für 2 Wochen und 20 Kilometer Autobahn in den Rachen werfen mussten. Bregenz am Samstag Vormittag ist nicht gut für mein Gemüt.
Da wollte ich eben einen Termin bei meinem Lieblings-Orthopäden machen und nun gibt es den nicht mehr :-(
*seufz* Es ist ein Kreuz mit den guten Ärzten (oder mit denen, die mir gut vorkommen, so recht beurteilen kann man das ja doch nicht), kaum hat man einen gefunden, hört der auch schon wieder auf. Wie der Allgemein-Doc, den ich mir hier gesucht hatte, dessen Nachfolger eine so herbe Enttäuschung war.
Na gut, schau ich mir den Doc am Donnerstag halt mal an (und er sich mich natürlich), die Praxis liegt nach wie vor unschlagbar günstig, und hoffe das Beste ...