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Tag 12: Codula di Luna

Dienstag, 10.05.2005

Der grosse Tag! Die heutige Runde soll die 'Königstour' in Sardiniens Osten sein und natürlich wollten wir die lange Variante fahren. Der Gelegenheit angemessen wollten wir bereits um 6.00h frühstücken gehen, um möglichst viel Zeit für die lange Tour, an deren Ende wir ein Boot erwischen mussten, zu haben. Wir hatten am Vortag gefragt, wann die Bar aufmache und hatten dem Zettel, den uns die Kellnerin hinstreckte, erfreut entnommen, dass es bereits um 6.00h Frühstück gäbe.

Um kurz nach 6 standen wir daher vor der Bar, doch es gab keinerlei Anzeichen dafür, dass irgendwer in absehbarer Zeit dort auftauchen würde. Nach ein wenig unschlüssiger Warterei kehrten wir ins Hotel zurück, holten die Bikes aus dem Auto (die wir dann in der Eingangshalle parkten) und packten unsere Rucksäcke tourfertig. Um 7.00h kehrten wir zurück zur Bar und bekamen dort endlich Frühstück.

Trotz des frühen Aufstehens war es dann doch beinahe 9:00h, bis wir tatsächlich aufbrechen konnten. Das Wetter sah gar nicht gut aus, immer wieder tröpfelte es und jedes Stückchen annähernd blauer Himmel, das wir hoffnungsvoll betrachteten, verschwand bald wieder hinter dicken Wolken. Wir radelten trotzdem los, schliesslich war bis zur Genna Siliana noch reichlich Gelegenheit umzudrehen, sollte sich das Wetter richtig verschlechtern.

Rückblick auf Cala Gonone
Rückblick auf Cala Gonone

Durch Cala Gonone hindurch und die Hauptstrasse bis zur Abzweigung zum Nuraghe Mannu hoch war es wegen des Verkehrs ziemlich nervig zum Radeln, als wir dann aber auf der Betonpiste waren, wurde es nett. Schön einsam, auf dem Beton gut radelbar und im ersten Teil mit angenehmer Steigung. An einer Stelle roch es allerdings intensiv nach Aas, auch wenn wir nicht entdecken konnten wo das herkam.

Nach der Abzweigung zur 'kurzen' Runde zur Cala di Luna (mit Schild) wurde die Piste teilweise schottrig und stückweise recht steil. An den steilen Stücken war die Piste jeweils betoniert. Es gab ziemlich viele Abzweigungen, doch mit Hilfe der Kartenkopien und einem glücklichen Händchen beim Erkennen der Hauptpiste (im Prinzip ging es immer nach links und bergauf) kamen wir problemlos bis zum Sattel, hinter dem die Piste wieder bergab führte.

Weitblick auf die Gola Su Gorruppu
Weitblick auf die Gola Su Gorruppu

Direkt auf dem Sattel führte uns eine steile Schotterpiste hinauf bis zur Punta Nuraghe, wo uns ein genialer Blick Richtung Gola Su Gorruppu erwartete. Inzwischen hatte auch das Wetter aufgeklart, so dass wir die Aussicht da oben in aller Schönheit geniessen konnten.

Felsbogen an der Punta Nuraghe
Felsbogen an der Punta Nuraghe

Die Abfahrt nach der Punta auf einem sehr steilen sehr grobschottrigen Maultierweg war nicht ganz einfach, was uns den einen oder anderen Fluch entlockte. Die SS125 war schon beinahe zu erahnen, als der Ralle plötzlich wirklich ausgiebig zu fluchen begann - er hatte einen Platten im Hinterrad.

Panne
Panne

In unbequemer Haltung flickten wir das Loch und radelten weiter. Bisher hatten wir recht lang gebraucht (was meiner Langsamkeit zuzuschreiben war) und die erzwungene Pause hatte uns erst recht Zeit gekostet. Das Boot würde die Cala di Luna um 17:30h verlassen, wir zweifelten ein wenig, ob wir das schaffen würden, doch die Strecke auf der SS125 bis zur Genna Siliana brachten wir dann sehr schnell hintr uns, so dass wir wieder zuversichtlich waren.

An sich hatten wir in der Bar am Pass etwas trinken und Getränkebeutel auffüllen wollen, doch die Bar wurde grade umgebaut und war zu. Da wir inzwischen schon fast all unser Trinken aufgebraucht hatten, war das schlecht. Ich erinnerte mich an einen Satz im 'Sardinien ReiseKnowHow' und wir versuchten unser Glück am InfoPunkt am Pass. Natürlich könnten wir etwas zum trinken bekommen, sagte die nette junge Deutsche, die mit Mann und Kind und Hund im InfoPunkt wohnte. Sie richtete uns Kaffee und Kuchen und viiiiel Wasser auf der 'Terrasse (ein flaches Stück im sonst steilen Garten) her und wir machten Pause.

Nicht lang allerdings, der Gedanke ans Boot trieb uns weiter. Inzwischen hatten wir uns entschlossen, es einfach zu versuchen, schlimmstenfalls bliebe uns noch die Möglichkeit, ein Taxiboot zu rufen, aber das 'richtige' Boot war natürlich besser.

Die Abfahrt bis auf die Hochebene über Urzulei ging recht fix, schliesslich ging es beinahe nur bergab. Am Rande der Hochebene war dann ein grosses Schild zum Wanderer-Parkplatz von Teletotes. 'Da müssen wir runter!' sagte ich. Karten hatten wir hier nicht mehr, aber die Beschreibung der Tour aus dem Bike-Magazin bezeichnete bei der Wegbeschreibung einen runden Platz mit einem grossen Baum. Und die Beschreibung im Rother-Wanderführer fing genau an so einem Platz an. Es lag also nahe, dass das derselbe Platz war, wo doch beide Beschreibungen zur Cala di Luna führten.

Beide Beschreibungen fingen nach dem runden Platz ähnlich an, lediglich der Weg dorthin war verschieden beschrieben. Ich dachte, dass wir besser mal auf Nummer sicher gehen und die Strasse runter fahren würden, denn die Bike-Beschreibung hatte bisher diverse Probleme mit rechts und links gehabt und hier hatten wir ja keine Karte mehr. Von der Rother-Wanderung hatte ich nur die Anfahrt gelesen. Alles in allem war es eine ungesunde Mischung von Halbwissen und Vermutungen, mit der wir von der SS125 in die Codula di Luna starteten.

Neugieriges Schweinchen
Neugieriges Schweinchen

Erst mal ging es ein Stück weiter über die Hochebene zur Schlucht. Alles mögliche Vieh rannte da frei herum und besonders die Schweine waren sehr neugierig. Als wir dann von der Kante steil in die Schlucht abfuhren, war uns doch ein wenig mulmig zumute, denn inzwischen war es mitten am Nachmittag und der Weg zurück zum Pass (von wo es mehr oder weniger nur noch bergab nach Cala Gonone ging) wäre laaaang!

Die Schlucht wurde recht bald tief und steil und sah Klasse aus. Am runden Platz ging der Bike-Beschreibung entsprechend ein recht breiter Pfad nach rechts weg (Rother wies nach links). 8-10 Kilometer bis zum Strand, kaum noch Höhenmeter, wir sahen uns an der Cala di Luna noch ein wenig im weissen Sand liegen, bevor wir das Boot bestiegen.

Der Pfad wurde bald schmaler und führte erst über Sand (Radeln? No way!), dann direkt ins Bachbett, wo er verschwand.

Weg
Weg

Wir suchten hier, wir suchten da und fanden schliesslich auf der anderen Seite des Bachbettes einen Pfad (Aaah, der Rother-Weg. Nehmen wir halt den.) Der Bach war hier oben noch recht tief und reissend, so dass die Überquerung eine kleine Aktion war, zumal wir uns auf der anderen Seite zunächst mitsamt den Bikes durch angeschwemmtes und aufgetürmtes Gestrüpp kämpfen mussten.

Bach
Bach

Ein Stück weit konnten wir dem Pfad folgen (radelnderweise sogar), dann verschwand auch dieser Weg im Bach. Und so ging es weiter: Weg suchen, ein Stück weit folgen, Bach. Nicht immer konnte man die Wegstücke radeln, oft war schieben angesagt. War der Weg erst mal weg, galt es im Bachbett Felsen und meterhoch aufgetürmtes Gestrüpp und umgefallene Bäume zu bewältigen, immer mit dem unhandlichen Bike über der Schulter oder unter dem Arm oder über dem Kopf oder wo auch immer grad Platz war.

Die scharfkantigen Bärentatzen (MTB-Pedale) schlugen wahlweise gegen die Wadeln oder die Schienbeine, verhakten sich in T-Shirts und der weichen Haut der Oberarme oder bohrten sich in gepeinigte Rippen. Die restlichen kantigen Bike-Teile taten dasselbe, allerdings war da die Wahrscheinlichkeit blutig geschlagen zu werden etwas geringer.

Der Ralle hatte Outdoor-Sandalen an und daher kein Problem mit dem Bach, ich war schon bei der ersten Bach-Durchquerung mit einem Trekking-Schuh abgerutscht und trat bald auch mit dem zweiten ins Nasse. Die häufigen Bachdurchquerungen waren insofern kein Problem mehr. Allerdings sammelten sich in meinen Schuhen bald grosse Mengen Sand an, die das Laufen beschwerlich machten, was aber immerhin besser war, als sich wie der Ralle bei jedem Ausrutscher die Zehen anzuschlagen.

Bald war uns klar, dass es keinen Weg durch die Schlucht gab, aber vor die Wahl gestellt, uns 8 weitere Kilometer durch die Schlucht zu schlagen oder 60 Kilometer mit 1300 Höhenmeter zurück zu fahren, liess uns die Schlucht wählen. Ob das so viel schlauer war, sei dahin gestellt.

Felsen
Felsen

In Krisen funktionieren wir gut als Team. Wann immer einer die Geduld verliert, einen Wutanfall oder einen Beinahe-Zusammenbruch hat, ist der andere der ruhende Gegenpol zum Wiederaufrichten. Dem Autor der Tour müssen die Ohren geklingelt haben, so sehr verfluchten wir ihn während der 6-7 Stunden, in denen wir uns durch die Schlucht schlugen. Völlig unberechtigt übrigens, denn der Fehler lag bei mir, nicht bei der Beschreibung.

Die Höhenmeter (und die Kilometer) schwanden quälend langsam. Jeder versehentliche Blick auf den Höhenmesser brachte die unerfreuliche Erkenntnis, dass wir uns dem Meer kaum näherten. Das Boot hatten wir uns schon lang aus dem Kopf geschlagen, nun hofften wir darauf, ein Taxiboot rufen zu können. So langsam bekamen wir auch Zweifel, ob wir es überhaupt noch bei Tageslicht bis zum Strand schaffen würden. Der Gedanke an eine Übernachtung im Freien war ziemlich scheusslich (nicht gefährlich oder lebensbedrohlich oder sowas, nur unangenehm).

Felsen
Felsen

Es dämmerte schon sehr, als wir endlich weit vor uns eine weisse Linie und dahinter das dunkle Meer sahen. Erleichtert schoben wir die Bikes über den losen Sand ... als wir plötzlich weit vor dem weissen Strand-Streifen in dunkles Wasser patschten. 'Strandsee' hatte ich bei Rother gelesen, auch das noch! Wir schulterten die Bikes und wateten hinein, nur um festzustellen, das dieser Strandsee viel zu tief zum Durchwaten war. Wir mussten umdrehen und einen Weg aussen herum suchen.

Links war in der aufkommenden Nacht ein heller Fleck in einem Boot zu sehen. Da musste eine Bar sein, erinnerte ich mich. Wir hielten uns links und fanden ein Gatter, hinter dem aber wütendes Hundegebell zu hören war. Der Ralle wollte woanders weiter nach einem Weg suchen, aber es war inzwischen schon so dunkel, dass ich einfach durch das Gatter ging, Hunde hin oder her. Ralle folgte zögernd.

Vor uns lag die erwähnte Bar, nur 100 Meter weit weg und es brannte Licht! Von Hunden war glücklicherweise nichts zu sehen, nur zu hören. Wir gingen hin und wurden ungläubig aber freundlich aufgenommen, auch wenn die Verständigung mangels gemeinsamer Sprache recht schwierig war. Die 3 Männer in der Bar konnten gar nicht glauben, was wir da (mit Händen und Füssen) erzählten, ich bin sicher wir haben für Legenden gesorgt: 'Wisst ihr noch, damals, als die beiden blöden Touris durch die Schlucht kamen ...'

Die Herren riefen für uns ein Taxiboot, geleiteten uns mit einem starken Suchscheinwerfer über die Brücke über den Strandsee (die wir im Dunkeln nie und nimmer gefunden hätten) und leuchteten uns den schmalen Pfad an und durch die Seitenwand der Schlucht hindurch zum Bootsteg aus. Niemals nie nicht hätten wir das im Dunkeln allein gefunden!

Danach war alles ganz einfach. Wir bugsierten die Bikes ins Taxiboot und sausten schnell (wenn auch eiskalt) den verlockenden wunderschönen Lichtern von Cala Gonone entgegen, wo wir gegen 22:30h landeten.

Was für ein Tag!

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